Es lief wie geschmiert: Die Warteschlange vor der Sicherheitsschleuse des Bundespräsidialamtes wurde lang und länger. Anlass war das 2. Forum „Demographischer Wandel“ des Bundespräsidenten, an dem rund 200 Besucher teilnahmen, um unter dem Motto „Familien stärken – Zukunft gewinnen“ über die Situation von Familien im Jahre 2020 zu diskutieren.
Wir – Christian, Gereon, Hagen, Jürgen und ich - waren nicht geladen, was wir aber niemandem übel nahmen. Wenn der politische Mainstream versucht, den demographischen Schwund mit Wortmonstern wie „Kinderbetreuungsausbaugesetz“ aufzuhalten, dann ist eben kein Platz für Kinder und Väter – Vätermonate hin, Väterplakate her. Stattdessen verteilten wir als blau verkleidete Weihnachtsmänner Flugblätter mit unseren familienpolitischen Befürchtungen und Visionen, ließen uns filmen, unterhielten uns mit den Besuchern und gaben Visitenkarten aus: So eine Schlange vor dem Bundespräsidialamt mit Funktions- und Würdenträgern hat schon ihre ganz praktischen Seiten ...
Fast wie bestellt fragte uns ein Journalist und dreifacher Vater, was wir als Trennungsväter überhaupt mit dem Demographischen Wandel zu tun hätten. Wir möchten, dass auch Väter – immerhin die Hälfte aller Eltern – in die Bewältigung des demographischen Wandels einbezogen werden und bei ihrer Vereinbarkeit von Beruf und Kindern genauso gefördert werden, wie Mütter. Ob er sich die Betreuung seiner drei Kinder denn mit der Mutter teilen würde? Nein, in seinem Job sei das „nicht möglich“.
Mit einer Vertreterin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes unterhielten wir uns, bis sie schließlich unser Flugblatt las. Die beiden letzen Punkte, in denen wir die gemeinsame Kindeserziehung auch durch Trennungseltern und Gewissheit für Kinder bezüglich ihrer leiblichen Abstammung fordern, gefielen ihr nicht. Sie gab uns unser Flugblatt ohne Begründung zurück. Wir werden das Gespräch mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband suchen, denn wenn Kommunikation auf der Trennungselternebene oftmals nicht funktioniert, dann sollte sie wenigstens auf Verbandsebene möglich sein.
Der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel schmunzelte, als er hörte, dass wir vom „Väteraufbruch“ seien. Dann müsste er eigentlich in den „Opaaufbruch“ eintreten. Als wir anboten, ihm einen Mitgliedsantrag für die Großelterninitiative zuzuschicken, war er überrascht: „Das gibt es auch?“ „Ja, es gibt auch Großeltern, die ihre Enkel nicht sehen dürfen“, antworteten wir, „wie z.B. der UNICEF-Botschafter für Kinder „Blacky“ Fuchsberger.“ Wir erfuhren, dass sich Klaus Kinkel dann auf der Konferenz sehr für eine Verbesserung der Sorgerechtsregelung für Väter ohne Trauschein eingesetzt hat. Vielen Dank für die engagierte Vätervertretung!
Ob unser Wunsch wahr wird, beim nächsten Forum zum demographischen Wandel dabei zu sein? Flugblätter werden wir wohl in jedem Fall verteilen ....
Rainer Sonnenberger
Flugblatt (Download)
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